Unter True Bypass versteht man, dass das Signal, wenn das Effektgerät ausgeschaltet ist, direkt von Eingang zum Ausgang durchgeschaltet wird. Also durch keinerlei Elektronik läuft. Mit dem True Bypass möchte man erreichen, dass der unverfälschte Original-Sound am Ausgang zur Verfügung steht.
Aber ist das wirklich der Bringer?
Schalten wir zwischen Gitarre und Verstärker ein Effektgerät mit True Bypass so ist bei ausgeschalteten Gerät der Effekt der selbe, als ob wir unser Gitarrenkabel verlängern! Die zusätzliche Kabelkapazität vom Ausgang des Effektgerätes zum Gitarrenverstärker dämpft die Höhen der Gitarre. Also nichts mit unverfälschtem Sound beim True Bypass, sondern im Extremfall viel Mumpf und ein dumpfer Sound.
Da das Gehäuse des Effektgerätes geerdet ist und das Signal im Innern des Gehäuse vom Eingang zum Ausgang läuft, erzeugt das Gehäuse bei aktiviertem True Bypass eine zusätzliche Kapazität, die die Höhen dämpft.
Jeder Klinkenstecker besitzt einen Übergangswiderstand. Und da U = R x I, folgt daraus, dass an diesem Übergangswiderstand ein Spannungsabfall von (in der Realität) einigen Millivolt stattfindet. Unser Super-High-Output Humbucker, kann also den nachfolgenden Verstärker nicht mehr so stark übersteuern.
Normalerweise wird ein True Bypass über einen mehrpoligen Schalter oder mit Hilfe von Relais gelöst. In beiden Fällen entsteht beim Umschalten ein mehr oder wenig deutlich vernehmbares Knacken, das, falls ein Delay nachgeschaltet ist, so richtig unangenehm auffällt.
Um die Höhendämpfung trotz True Bypass zu verhinden, sollten wir als erstes Gerät direkt hinter der Gitarre einen Booster legen, der das von den passiven Pickup erzeugte Signal vom noch folgenden Kabel trennt. Da die Spulen der Pickups die am Ausgang des Boosters liegende Kabelkapazität nicht mehr "sehen", sparen wir uns also die Höhendämpfung.
Schon zu mittelalterlichen Zeiten also irgendwann in den 70er wussten die Hersteller von Hifi-Anlagen, dass z.B. die Eingangsumschalter eines Verstärker niemals den Eingang in der Luft hängen lassen durften. D.h. der Eingang des Verstärker war immer mit einem Gerät wie Tape oder Plattenspieler verbunden (auch während des Umschaltens). Hierfür wurden Schalter benutzt, die dafür sorgten, dass während des Umschaltvorgangs der Eingang kurzzeitig mit dem alten und dem neuen Gerät verbunden war. D.h. der Umschaltvorgang war z.B. wie folgt:
und nicht
Hierdurch wurden Potentialsprünge des Verstärkereingangs vermindert, die ein Knacken verursacht hätten. Denn (merke!) damals hat man noch richtige Schalter benutzt und trotzdem knackte nichts! Außerdem hatte man die Eingänge des Verstärker mit einem hochohmigen Widerstand gegen Masse verbunden, um weitere Potentialsprünge zu vermeiden.
Wenn heutzutage also HighEnd Röhrenverstärker beim Kanalumschalten knacken, dann hat dies nichts mit den True Bypass Relais zu tun, sondern ist schlichtweg ein miserables Design!
Wenn euer hochgelobtes Boutique True Bypass Effektgerät beim Ein- oder Ausschalten knackt, dann solltet ihr vor und hinter dem Eingangskondensator jeweils einen 2 MΩ Widerstand und vor und hinter dem Ausgangskondensator einen 100 KΩ Widerstand gegen Masse löten. Im Normalfall ist der Umschaltvorgang danach mucksmäuschen still. Die Widerstände verhindern, dass sich die beiden Kondensatoren mit einer Potentialdifferenz aufladen.
Reply #1 on : Wed November 25, 2009, 20:18:48
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