Betrachtet man die alten Röhrenverstärker so fällt auf, dass es sich ausschließlich um sogenannte Non-Master-Volume Amps handelt. D.h. der Röhrenverstärker besitzt wie ein Hifi-Verstärker eine Klangregelung und einen Lautstärkeregler. Um hier einen verzerrten Sound zu erhalten, muss man die Lautstärke so weit aufdrehen bis die Endstufe übersteuert. Diese Verstärker arbeiten zunächst ziemlich linear, d.h. ohne vernehmbare Verzerrung. Wir erhalten also einen cleanen Sound. Bei höheren Lautstärken setzt dann langsam die vielfach geliebte Kompression eine Röhrenverstärkers in Verbindung mit leichter Verzerrung ein. Dies ist der Bereich, der Crunch genannt wird. Anschließend folgt der Distortion-Bereich, der dadurch gekennzeichnet ist, dass die Endstufe hart übersteuert.
Bei den neueren Röhrenverstärkern wird die Verzerrung im Preamp erzeugt. Dies gibt uns nämlich die Möglichkeit auch bei niedrigen Lautstärken eine annehmbare Verzerrung zu erhalten. Hierfür besitzt der Verstärker zusätzlich einen Regler mit der Beschriftung Drive oder Gain, der im Endeffekt die Lautstärke regelt, mit der der Preamp angesteuert und damit übersteuert wird. Hinter dem Preamp kann dann mit dem Volume-Regler die Lautstärke eingestellt werden, mit der die Endstufe angesteuert wird. Auch hier erhalten wir wieder Clean, Crunch und Lead Distortion.
Der direkt offensichtliche Unterschied zwischen Preamp und Power Amp Distortion ist die benutzte Röhrenart. Im Preamp werden Trioden und im Power Amp entweder Pentoden oder Beam Tetroden benutzt.
Im Klartext bedeutet dies, dass eine warme weiche Röhrenverzerrung ausschließlich mit Trioden erzeugt werden kann. Eine Pentoden- oder Beam Tetroden-Verzerrung hingegen gibt uns genau den dreckigen rotzigen 70er Jahre Sound. Und der ist nun wahrlich nicht warm und weich!
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